Motorradtour durch Rajasthan

Mit Tempo zum Tempel

Ein Traum, den mein Freund seit langer Zeit hatte. In Guatemala haben wir eine kleine Motorradtour nach Chichicastenango gemacht. Und waren so begeistert, dass wir uns eine ähnliche Tour in Indien nicht entgehen lassen wollten. Für alle Motorradenthusiasten: wir haben uns eine Royal Enfield Bullet 500 gemietet.

Kumbhalgarh Fort
Kumbhalgarh Fort

WAS DARF ICH NICHT VERPASSEN?

Unsere Tour startete in Udaipur. Vor Ort haben wir uns schlau gemacht und sind schließlich bei Rama Bike Rentals gelandet. Hier haben uns der Service und vor allem der Zustand der Motorräder überzeugt. Und nicht schüchtern sein – hier sollte man lieber drei Mal nachfragen und checken, ob auch wirklich alles funktioniert. Denn indischer Verkehr und eine klapprige Maschine passen nicht sonderlich gut zusammen.

Indischer Verkehr

Der Verkehr muss kurz erwähnt werden. Der indische Verkehr ist ... ein Albtraum. Wir haben schon einiges in Marokko, Jordanien und Guatemala gesehen und haben uns entsprechend schon unseren Teil gedacht. Allerdings waren wir mehr als baff, als wir dann das tatsächliche Ausmaß gesehen haben. Chaos. Immer und überall. Aber Chaos, das irgendwie zu funktionieren scheint. Auf einer zweispurigen Straße schaffen es merkwürdigerweise vier Autos nebeneinander zu fahren, dazwischen gleich zehn Motorräder und weitere zehn Tuk Tuks. Mitten auf der Straße stehen auf ein Mal mehrere Kühe, die selbstverständlich umfahren werden. Nicht ungewöhnlich, dass einem auf der falschen Straßenseite plötzlich ein Auto entgegenkommt. Einfach so. Hinzu kommt durchgehendes Gehupe. Denn in Indien nutzt man die Hupe, um auf sich aufmerksam zu machen. Heißt, wenn man ein anderes Fahrzeug überholt, hupt man. Biegt man ab, hupt man. Bleibt man stehen, hupt man. Sich hier zurechtzufinden und aktiver Verkehrsteilnehmer zu sein kostet viel Überwindung – lohnt sich aber (als Beifahrer habe ich leicht Reden...)

Blick auf die Mauer des Kumbhalgarh Forts
Blick auf die Mauer des Kumbhalgarh Forts

Ranakpur

Unsere erste Station war Ranakpur. Die Tempelanlage gehört zu den größten und eindrucksvollsten Jain Tempeln in Indien. (Randnotiz: Jainismus ist eine in Indien beheimatete Religion, zu der etwa 4,4 Millionen Gläubige angehören. 4,2 Millionen davon in Indien.) Und tatsächlich, die Tempelanlage war nicht nur in ihrer Größe, sondern auch in ihrer Schönheit überwältigend. Unbedingt besuchen!

 

Für die 95 Kilometer nach Ranakpur haben wir mit der Royal Enfield etwa 2,5 Stunden gebraucht. Die Strecke (größtenteils Landstraße) ist gespickt mit kleinen Dörfern, entlangtrottenden Kamelen und kontaktfreudigen Indern, die den fremden Menschen (uns) auf dem Motorrad enthusiastisch zuwinken.

Kumbhalgarh Fort

Unsere nächste Station war das Kumbhalgarh Fort. Die Festung aus dem 15. Jahrhundert gehört zur UNESCO-Welterbestätte. Die 42 km lange Mauer ist im Durchschnitt 12 Meter hoch und 8 Meter breit – also mächtig gewältig. Innerhalb des Forts befinden sich zahlreiche Tempelanlagen, über allem thront der Badal Mahal, der ehemalige Fürstenpalast. Auf dem Gelände kann man viele Stunden, wenn nicht sogar Tage verbringen, um alle Sehenswürdigkeiten mitzunehmen. Besonders lohnenswert ist der Ausblick des Palastes, der einem das Ausmaß der  Wildnis erst begreifen lässt. Die Umgebung, die Straßen – ein Traum für jeden Motorradfahrer.


Kumbhalgarh Fort
Kumbhalgarh Fort
Schuhe aus: Ranakpur
Schuhe aus: Ranakpur

WAS GIBT ES ZU ESSEN?

Eine Frage, die nicht mit einem einfachen Restauranttipp zu beantworten ist. Wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, ist man auf einem Motorradtrip darauf angewiesen, welche Möglichkeiten sich auf der Strecke ergeben.

 

Unser Favorit: die Kantine neben dem Jain Tempel in Ranakpur. Als einzige Touristen wurden wir zwar bestaunt, aber trotzdem freudig bedient. Wie das ganz funktioniert?

  1. Schuhe ausziehen
  2. Pro Person 120 Rupie zahlen (1,50 Euro)
  3. Hinsetzen. Erinnert ein wenig an eine Schulkantine. Allerdings sitzt man nebeneinander.
  4. Abwarten, bis einem das Essen serviert wird. Eine Platte und ein Becher aus Metall standen bereits auf dem Tisch.
  5. Essen. Es gab: Thali. Die Platte besteht aus verschiedenen, regionalen Gerichten wie Gemüse, Currys, Dal und Chutney. Und natürlich Nachtisch (bei uns: ein süßer, dickflüssiger Brei, der SO SO SO GUT war). Die Gerichte werden in kleinen Metallschalen auf einem runden Tablett serviert. Alle paar Minuten wird nachgeschenkt, sodass wirklich jeder satt wird.
  6. Aufräumen. Das benutze Geschirr abwaschen und abgeben.
  7. Schuhe anziehen
Kantine in Ranakpur
Kantine in Ranakpur
Tempel in Ranakpur
Tempel in Ranakpur



Ausblick vom Kumbhalgarh Fort
Ausblick vom Kumbhalgarh Fort

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Kommentare: 4
  • #1

    Katarzyna Oberdorf (Dienstag, 04 Dezember 2018 18:54)

    Hallo Theresa, was für ein Abenteuer! Ich glaube, außerhalb der Städte ist der Verkehr nicht so schlimm, oder? Die Bilder sehen nach viel Spaß aus :-) Lg Kasia

  • #2

    Theresa (Mittwoch, 05 Dezember 2018 09:11)

    Liebe Kasia, der Verkehr war tatsächlich deutlich entspannter auf der Landstraße. Aber dafür musste man erst Mal quer durch die Stadt. War auf jeden Fall ein Abenteuer. Mit etwas Glück aber ein ganz fantastisches!
    Liebe Grüße
    Theresa

  • #3

    Bettina Halbach (Mittwoch, 05 Dezember 2018 13:32)

    :-) liebe Theresa, unvorstellbar, wie vier Autos auf einer zweispurigen Straße fahren und nicht ineinander rasseln... Die Inder müssen ganz schön gut konzentriert sein beim Fahren? Auf jeden Fall eine tolle Tour, die du da unternommen hast, ich habe deinen Bericht mit Vergnügen gelesen, lg Bettina

  • #4

    Milli (Donnerstag, 06 Dezember 2018)

    Der Beitrag ist echt super interessant. Besonders die Sache mit dem Verkehr find ich Wahnsinn. So ein funktionierendes Chaos ist für uns in Deutschland so gar nicht vorstellbar. Ich meine wir bleiben hier selbst mitten in der Nacht, wenn weit und breit kein anderer Verkehrsteilnehmer zu sehen ist, als Fußgänger an einer roten Ampel stehen. Auch, dass die Hupe für so gut wie jede Aktion im Verkehr benutzt wird, scheint hier einfach unglaublich.

    Liebe Grüße, Milli
    (https://www.millilovesfashion.de)